
Martinskirche vom Kirchgarten aus

Turm und Chorraum der Martinskirche
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Martinskirche
Die gotische Kirche wurde anstelle einer im 12. Jh durch die Pfalzgrafen von Tübingen errichteten romanischen Kirche erbaut. Sie war eine Wehrkirche, zu der auch eine starke Mauer gehörte. Lediglich der Turm, den wir auf etwa 1180 datieren, stammt noch von der Vorgängerkirche. Er zeigt heute noch Schießscharten. Erbaut wurde diese Kirche von den Bebenhäuser Mönchen, die im 13. Jh durch Schenkung in den Besitz von Dorf und Kirche kamen. Unter Abt Bernhard Rockenbauch ist der Bau, beginnend mit dem Chor ab 1480 und endend mit dem Langschiff um 1508, entstanden. Die Erneuerung des Dachstuhls erfolgte 1766. Im Jahre 1904 wurde die Vorhalle gegen den Marktplatz mit Treppe zur Empore angebaut. Die Martinskirche war lange Zeit Tauf- und Mutterkirche für 11 Filialen.

Kirchenschiff der Martinskirche
Die Kirche besticht durch ihre Helligkeit, die Schlichtheit ihrer Formensprache und die sparsame Ausstattung. Das heutige Aussehen, mit der Orgel im Chorraum und einer vergrößerten Westempore, verdankt sie einer gelungenen Renovierung im Jahre 1967 durch den Stuttgarter Architekten Prof. Heim. Dominierend sind die barocke Orgel, die bunten Fenster und die beiden Epitaphien links und rechts des Chorbogen.
Schiff in schwerem Sturm gezeigt, als Sinnbild für sein eigenes „mueseeliges“ Leben. „Gekrönt“ ist das Epitaph von den Bildnissen des Pfarrers und seiner Gattin.
Der Evangelist Johannes an der Kanzel
1904 eingebaut, zeigt auf 4 Seiten die vier Evangelisten und auf der 5. Seite das Wappen der Stifterfamilie von Biberstein (entworfen von Prof. Rudolf Yelin, Stuttgart).

Orgelmanual
Was den Raum so feierlich macht, ist das imposante Prunkstück der Martinskirche, die von G.F. Schmahl aus Heilbronn erbaute Barockorgel (1755?). Der Platz auf der Empore hinter dem Altar ist sehr gut gewählt, weil der Chorraum durch den angebauten Turm kein Ost- und Nordostfenster erhalten konnte. 1982 wurde die Orgel von J.W. Braun aus Rosenfeld-Bickelsberg restauriert und mit neuem Rückpositiv ergänzt. Braun hat den Prospekt des Zusatzwerkes dem Hauptwerk so angepasst, dass es sich kaum vom barocken Original unterscheiden lässt. Die Orgel hat jetzt 21 klingende Register und 1300 Pfeifen, die auf zwei Manualen und einem Pedal gespielt werden.

Tauffenster im Süden (Kirchgarten)
Das Tauffenster an der Südwand des Kirchenschiffs wurde 2005 von Fritz Mühlenbeck aus Weil-Neuweiler gestaltet. Eine ganz moderne Auffassung von Glaskunst ist hier zu sehen. Dabei bestehen die hellen Flächen nicht aus farblosem, sondern aus mundgeblasenem, mehrschichtigem farbigem Glas, aus dem die Motive mit Hilfe von Flusssäure und Sandstrahlgerät herausgearbeitet sind. Im obersten Teil stellt sich der Künstler eine himmlische Sphäre vor: In gelb-orange leuchtet das „göttliche Licht“. In der Mitte gehen Menschen jeden Alters auf Jesus zu, um sich taufen zu lassen. Das göttliche Licht, Jesus und die stilisierte Taube oben rechts im Maßwerk zeigen, dass die Taufe im Namen des drei-einigen Gottes erfolgt. Der Bildtext stammt aus einem Tauflied von Martin Luther (EG 202). Eine Verbindung zum Chorfenster ist durch das Thema Wasser gegeben.

Abendmahlsfenster im Norden (Marktplatz)
(vorgestellt am 1. Juni 2008)
Das Abendmahlsfenster handelt von Liebe, Versöhnung und Vergebung. Bei der Darstellung des Abendmahls ist bereits das österliche Geschehen der Auferstehung - in all seiner emotionalen Bewegung - mit eingeflossen. Im Zentrum des Fensters ist Jesus mit Brot und Wein zu sehen, umgeben von seinen Jüngern. Kelch und Brot sind besonders hervorgehoben. Die Jünger aßen und tranken davon, und auch die gesamte Christenheit feiert bis heute das Abendmahl mit Brot und Wein. Jesus steht im Mittelpunkt zweier Lichtebenen. Im mittleren Teil leuchtet ein Lichtstrahl auf die Menschen über die Gestalt Christi herab und spiegelt sich im Wasser des untersten Feldes. Dieses Licht geht von den Menschen zurück zu Gott. Es zeigt die Zwiesprache der Menschen mit Gott und symbolisiert die Versöhnung Gottes mit den Menschen durch Jesus Christus im Abendmahlsgeschehen. Ein zweites Lichtband verläuft waagerecht in der mittleren Ebene und wiederum steht Jesus im Zentrum. Diese zweite horizontale Ebene symbolisiert die Versöhnung der Menschen untereinander im Abendmahlsgeschehen. Dies wird dadurch verdeutlicht, dass sich einige Jünger einander zuwenden, sich anschauen und in Frieden kommunizieren. Die dargestellten Jünger könnten auch Menschen von heute sein. Sie sind absichtlich nicht identifizierbar ausgeführt. Sie sind zeitlos. Beide Lichtebenen zusammen deuten ein Kreuz an. Es ist das Lichtkreuz des österlichen Geschehens mit der Auferstehung. Unterstützt wird dieser Gedanke noch durch grüne Farbschattierungen. Die Farbe Grün ist ein Symbol für den auferstandenen Christus. Wie im Tauffenster auf der gegenüber liegenden Seite sehen Sie auch hier im unteren Teil in Glas dargestelltes Wasser, in diesem Fall als Symbol für das Evangelium. Jesus sagt: „Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, den wird in Ewigkeit nicht dürsten. (Joh. 4/14).
Technik:
Das Fenster besteht aus mundgeblasenem echt Antik-Glas, von einer Glashütte im Oberpfälzer Wald hergestellt. Es besteht aus zwei miteinander verschmolzenen, verschieden farbigen Glasschichten. Die obere farbige Glasschicht wurde im gesamten Fenster mehr oder weniger stark mit Flusssäure abgeätzt. Dadurch entstanden besonders subtile Schattierungen, Zeichnungen und Linien im Glas. Nur an wenigen Stellen wurden die Linien noch durch das Auftragen zarter Konturen mit dem traditionellen Schwarzlot ergänzt und eingebrannt. Der Text im unteren Teil des Fensters stammt aus dem Katechismus von Martin Luther: „Für Euch gegeben und vergossen zur Vergebung der Sünden. Denn wo Vergebung der Sünden ist, da ist auch Leben und Seligkeit“.

Eine der vier Glocken
Mehr über die vier Glocken in der Glockenstube finden Sie
hier.
Und wenn Sie wissen möchten, wann welche Glocke
läutet.